Das berühmte Weingut Ornellaia aus der toskanischen Appellation Bolgheri hat bereits den 30. Jahrgang lanciert. Die luxuriösen Tropfen sind begehrt, teuer und qualitativ hochstehend.

Es brauchte einiges an Mut, in den siebziger Jahren im völlig unbedarften Weingebiet Bolgheri, das zur Maremma gehört, Reben zu pflanzen und einen toskanischen Spitzenwein zu kreieren. Marchese Lodovico Antinori aus der gleichnamigen Wein-Dynastie wagte das Abenteuer und setzte dabei auf Rebsorten, die dem Bordeaux zu Ruhm und Ehre verholfen haben: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot. Die Tenuta Ornellaia, so der Name des Weinguts, wurde bald vielen Weinfreunden ein Begriff und ist heute eine Ikone in der Toskana.

In diesem Jahr ist bereits der 30. Jahrgang auf den Markt gekommen. Der 2015er zählt zu den grossen Weinen mit einer glänzenden Zukunft. Der jugendliche Wein fällt mit seiner tiefen, fast violetten Farbe auf, seiner komplexen Aromatik, Kraft, Struktur, Länge, aber auch mit seinem Schmelz. Warten wird sich auszahlen. Der Ornellaia wird je nach Jahr während rund 18 Monaten in neuen und gebrauchten Barriques ausgebaut und reift ein weiteres Jahr in der Flasche.

In Anwesenheit des Chefönologen von Ornellaia, Axel Heinz, konnte ich weitere Jahrgänge des «Supertoskaners» degustieren. Der feingliederige 2010er brilliert mit seiner Frische und seinen Finessen, eher ein untypischer, nicht so mediterran geprägter Wein. Die Anlagen versprechen aber viel Genuss für mindestens zehn Jahre und mehr. Ein Kraftpaket ist der sehr gut gelungene Ornellaia 2006. Er steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Die Farbe ist immer noch sehr intensiv, die Gerbstoffe sind präsent. Zudem überzeugen die aromatische Länge und die elegante Struktur. Deutlich fortgeschrittener entwickelte sich der 2005er. Das vielschichtige, schwarzbeerig-würzige Bouquet gefiel besser als der etwas strenge Gaumen mit präsenten Tanninen und einem leicht austrocknenden Abgang. Es fehlt eine gewisse Eleganz.

Wer das Weingut, das heute der toskanischen Adelsdynastie Frescobaldi gehört, kennenlernen will, dem bietet der Zweitwein einen guten Einstieg. Le Serre Nuove dell’Ornellaia wird im Gegensatz zum Erstwein von Merlot dominiert. Der Anteil beträgt rund 60 Prozent. Die Trauben stammen von vorwiegend jüngeren Reben. Der Cru ist früher zugänglich, aber ebenfalls vielschichtig und dicht, wie der 2015er beweist.

Das Edelprodukt aus dem Hause Ornellaia ist der Masseto, ein reinsortiger Merlot. Da sich die halbe Welt um diesen Wein reisst, sind die Preise in stratosphärische Höhen gestiegen. Er kann aber mit den besten Merlot-Weinen aus aller Welt problemlos mithalten.

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