Winzerinnen kämpfen im Weinbau immer noch um Anerkennung. Doch die Zahl mutiger Kämpferinnen nimmt stetig zu. Dies zeigen drei Beispiele aus Deutschland, Frankreich und Südafrika. Alle stehen für qualitativ hochwertige Weine.

Frauen sind in den Rebbergen und Keller stark untervertreten. Langsam ändert sich die Wahrnehmung, denn eine Generation von selbstbewussten Frauen übernimmt entweder den Familienbetrieb oder gründet ein eigenes Gut. Kürzlich feierte der deutsche Film „Weinweiblich“ Premiere, wegen der Corona-Krise nicht im Kinosaal an einem Festival in München, sondern im Internet. In Szene gesetzt werden vier engagierte Protagonistinnen aus Deutschland, die während eines Jahres begleitet werden – vom Rebschnitt im Winter bis zur Abfüllung eines Rieslings im Herbst. In spektakulären Bildern werden Theresa Breuer und Carolin Weiler aus dem Rheingau, Eva Vollmer aus Rheinhessen sowie Silke Wolf aus Baden porträtiert.

Marie-Luise Raumland an der Spitze mit Sekthaus Raumland 

Doch auch abseits des Films geben die Frauen so richtig Gas. Gerade in Deutschland entdeckt man zahlreiche ambitionierte Winzerinnen, zum Beispiel Marie-Luise Raumland. Die 28-Jährige ist in den rheinhessischen Familienbetrieb eingestiegen, der zu den besten Sektproduzenten des Landes gehört. Das genügt der jungen Dame nicht. Sie will elegante Schaumweine mit einer langen Hefelagerung und einer geringen Dosage keltern, also trockene und nicht süsse, gefällige Beispiele. Zudem lagern sie mindestens fünf Jahre auf der Hefe, in gewissen Fällen bis zehn und mehr Jahre.

Gemäss Marie-Luise Raumland besteht das Ziel darin, den gesamten Prozess der Herstellung selber zu kontrollieren, von den eigenen Rebstöcken bis zur Versektung. Die Weingärten sind mit den klassischen Champagner-Sorten wie Chardonnay, Pinot noir und Pinot Meunier bestockt. Der deutsche Riesling darf jedoch ebenso wenig fehlen. Innerhalb des breiten Sortiments ist etwa der Chardonnay Prestige Brut 2011 eine exzellente Wahl: ein puristischer Blanc de Blancs mit feiner Perlage, einer beeindruckenden Aromenvielfalt, ein Winzersekt mit Eleganz und sehr guter Länge (39 Fr.; Peter Kuhn Weine).

Sonja Geoffray bricht eine Lanze für den französischen Beaujolais

Nicht schäumend unterwegs ist Sonja Geoffray im französischen Beaujolais. In diesem oft unterbewerteten Anbaugebiet werden trockene Rotweine aus Gamay gekeltert. Die gebürtige Walliserin fand ihr önologisches Glück auf dem renommierten Château Thivin, das sie mit ihrem Ehemann leitet. Die 40-Jährige bricht eine Lanze für den Beaujolais: „Es ist kein Wow-Wein, sondern er überzeugt mit Frucht, Leichtigkeit, Finesse und einem schönen Trinkfluss.“ Durchaus Attribute, die in die heutige, unsicher gewordene Zeit passen. Auf Thivin arbeitet man bewusst nach biologischen Methoden. Im Keller wird bei der Vinifikation möglichst wenig interveniert – das Gut sieht sich lediglich als Hebamme für den Wein.

Ein sehr schöner Wein aus dem Hause ist der Côte de Brouilly „Les 7 vignes“ 2018 (24.90 Fr.; Real Wines). Dieser Beaujolais stammt aus sieben verschiedenen Parzellen. Er enthüllt ein vielschichtiges Bouquet mit fruchtig-floralen Noten, ist im Gaumen voll, ohne schwer zu wirken, komplex, mit reifen Tanninen und einer guten Säure ausgestattet. Er endet mit einem langen Nachhall. Für Sonja Geoffray, die im Wallis in einer Weinbauernfamilie aufwuchs, ist Wein mehr als ein Getränk. Es sei ein Lebensstil und bedeute stets auch Kultur. Und in unsicheren Zeiten wie diesen auch ein Seelentröster, sei hinzugefügt.

Andrea Mullineux: „Wein ist mein Leben“

Ähnlich argumentiert Andrea Mullineux, die das gleichnamige Weingut in Südafrika führt. „Wein ist mein Leben“, ist das Motto der Kalifornierin. Sie zog es früh in die weite Welt hinaus und hat es geschafft, in der Region Swartland eines der herausragendsten Weingüter am Kap der Guten Hoffnung aufzubauen. Aber dort stirbt die Hoffnung zuletzt, denn die einst wenig renommierte Gegend bietet ideale Voraussetzungen für den Rebbau, alte Rebstöcke in Buschform, die kleine Beeren produzieren, geringe Erträge und prägnante Bodenformationen, namentlich aus Schiefer und Granit.

Das erlaubt Mullineux, ausdrucksstarke Weine des jeweiligen Terroirs zu erzeugen. Sie konzentriert sich auf Syrah und Chenin blanc, der dank seiner hohen Säure geradezu prädestiniert ist für die warme Region.  Paradebeispiel ist etwa der Chenin Blanc Quartz 2015 (59 Fr., Kap Weine). Der konsequent trockene Weisswein glänzt mit Fülle und Kraft, ist aber nicht opulent und breit. Die gut integrierte Säure und die schöne Mineralität verleihen ihm Eleganz und Struktur. Andrea Mullineux ist erpicht darauf, dass aus dem Rebberg nur gesunde, perfekt reife Trauben kommen. Im Keller vergärt die 40-Jährige, die auch schon als „Winzerin des Jahres“ ausgezeichnet worden war, spontan mit wilden Hefen und setzt den Schwefel sehr sparsam ein. Irgendwelche Zusätze haben selbstredend nichts zu suchen.

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