The Dolder Grand
Alec Ramazzotti

Dolder Grand – Ein Tag und eine Nacht im Hier und Jetzt im modernen Märchenschloss – inklusive Bar!

«Schatz! Schatz! Mach dich bereit, es geht los wir fahren ins Grand!», rief ich voller Freude meinem Partner an diesem Sonntagmorgen anfangs März zu. Er schaute mich verdutzt an und fragte leicht verwirrt: «Was? Wieso fahren wir zu einer Band?» «Nein, Amor, keine Band! Wir verbringen einen Tag und eine Nacht im Dolder Grand in Zürich!» «Ach was? Warum? Wir leben doch in Zürich. Und überhaupt, was machen wir denn da den ganzen Tag?», fragte er mich stirnrunzelnd. «Was wohl?», erwiderte ich erstaunt über diese Frage. «Geniessen natürlich! Wenn wir schon nicht in die Ferne schweifen können, dann lass uns das kosmopolitische Flair in Form eines exklusiven Overnight-Stay in Zürich auskosten.» 

Ich war begeistert von dieser Idee, der altehrwürdigen Dame am westlichen Adlisberg einen «Sweet Escape»-Besuch abzustatten. Zum Glück reisten wir nicht mit einer 1-PS-Motorkutsche à la Daimler und Maybach von Meilen nach Zürich, so wie man sich um 1899, dem Eröffnungsjahr des damals noch Grand Hotel Dolder genannten Haus, elegant fortzubewegen wusste. Denn ich konnte es kaum erwarten, endlich die grosse Auffahrt zu diesem renommierten Luxushotel hoch über den Dächern von Zürich hochzufahren. Immer wieder fasziniert mich der Anblick dieses Prachtbaus aufs Neue. Einerseits die unverkennbaren, über hundertjährigen Türme des Architekten Jacques Gros, andererseits der in den 2010er-Jahren wunderbar in die Landschaft integrierte, geschwungene neuzeitliche Um- und Anbau des Architektur-Meisters Norman Foster. Die Verschmelzung von Vergangenheit und Zukunft ergibt eine perfekte Symbiose des Seins. Im Hier und Jetzt. Und das war auch das Ziel des Short Trips ins «TDG»: Einfach Sein, am liebsten den ganzen Tag im 4’000 m2 grossen Spa. (Ohmmm.) 

Dolder Bar
Dolder Bar. Foto: Dolder Grand

Aber meine erwartungsvollen, träumerischen Gedanken wurden jäh unterbrochen, als mein Partner noch während dem Parken des Autos seine Vorstellung vom «Hier und Jetzt» laut und deutlich bekannt gab: «Ich will an die Bar! Wo ist die Bar? Bar! Gin!» «Können wir bitte noch schnell den Motor ausschalten und gemächlich von der Garage ins Hotel gleiten?» «Bar!» Seine Sätze wurden immer kürzer, und meine Träume eines never ending Day Spa mit meinem Liebsten auch. So müssen sich wohl die Neandertaler-Frauen gefühlt haben, als sie mit ihren Männern gerne mal am Fluss ein bisschen baden gehen wollten. Da sagte das «Männchen» bestimmt auch: «Bar!» Was wohl so viel hiess wie: «Ich gehe jetzt jagen, denn ich habe Hunger und Durst!» Oder wie musste sich Jane gefühlt haben, als sie im Dschungel mit ihrem Tarzan über ihr Leben in der Zivilisation diskutieren wollte. Da kam vom brüllenden Lianenschwinger wohl auch bloss: «Ich Tarzan! Du Jane! Essen! Trinken! Bar!» 

Auf dem kurzen Weg von der Tiefgarage in die Lobby überlegte ich mir, ob wir Frauen jeweils zu viel in unsere Männer (oder auch Neandertaler-Tarzane) hineinprojizieren. Mein Spa, dein Spa. Das wäre doch so einfach, jedoch langweilig zugleich, wenn wir verschiedenen Geschlechter gleich wären.

Nagaya Pop-Up ab 18. März 2021

Zu meinem Erstaunen aber änderte sich die anfängliche Wortkargheit meines Mannes in ein schon fast überemotionales Freudegeplapper, als er die Vorankündigung «Nagaya Pop-Up» des berühmten japanischen Punkte- und Sterne-Kochs Yoshizumi Nagaya sah. «Oh Jessica-San!» Hä? Warum änderte sich plötzlich sein Akzent? «Jessica-San! Nagaya ist der wahre Meister der kulinarischen Vereinigung der japanischen und europäischen Küche! Seine Kochkunst ist durchdacht, klar und präzise, und fügt japanische und westliche Elemente einzigartig zusammen – mal traditionell, mal kreativ, immer aromaintensiv und aus exzellenten Produkten.» Mein Mann hörte sich plötzlich an wie ein wandelnder Guide Michelin. Ausgelöst durch einen heftigen Sturm seiner Synapsen, womöglich als Folge seiner leichten Déformation professionelle als kulinarischer Genuss-Experte. Aber mir gefiel seine plötzliche Erregung. Genauer gesagt seine Vorfreude.

Denn der begnadete Fusionsküchenmeister aus Stuttgart wird im «TDG» sein Pop-Up-Restaurant am 18. März 2021 eröffnen und bis zum 20. Juni 2021 jeden Abend von Donnerstag bis Samstag japanische Küchentechniken und europäische Aromen und Düfte in Vollendung vereinen. Man braucht kein Sushi-Fan zu sein, denn seine Kreationen streben nach viel mehr als ein bisschen rohen Fisch.

Die Stimmung meines Mannes stieg von Minuten zur Minute. Nicht nur weil die Bar greifbar nahe war, sondern weil wir herzlich und sehr erfrischend im Dolder Grand empfangen wurden. Angekommen im Doppelzimmer mit atemberaubender Aussicht über Stadt, See und Berge, stand ich immer noch in Jacke und Tasche in der der Hand auf dem Balkon, als ich im Zimmer ein Schlurfen hinter mir hörte. Ich drehte mich um und mein Mann stand wie aus einer Zaubertrickkiste entsprungen in Badehose, Bademantel und den Spa-Finken bereit. «Komm Amor, mach mal vorwärts!» Da soll mal einer sagen, Frauen seien während hormoneller Phasen sprunghaft und öfters unentschieden …

Day Spa üblicherweise auch für externe Gäste zugänglich

Das vielfach prämierte Dolder Grand Spa gilt als eine der exklusivsten Wellness-Anlagen der Schweiz und ist wie das Hotel weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ich hatte schon so viele in meinem Bekanntenkreis schwärmen hören, und nun durfte ich mir endlich selbst ein Bild davon machen. Neben dem Ladies’ Spa und dem Gentlemen’s Spa erwartet uns eine grosszügige Aqua Zone mit Pool, Whirlpoolterrasse, Dampfbad, Sanarium, gemischter Sauna-Bereich, Spa Library, Spa Shop, Spa Suiten, Fitnesseinrichtungen sowie Relaxation-Räumen. Für Behandlungen, Fitness und Meditation stehen zudem separate Räumlichkeiten zur Verfügung. Luxus für Geist und Seele auf sage und schreibe 4000 Quadratmeter. Was viele jedoch nicht wissen, die vielfältigen Day Spa Angebote stehen üblicherweise auch externen Gästen offen. Der gesamte Eintrittspreis kann als Guthaben für eine oder mehrere Behandlungen nach Wahl eingesetzt werden. 

Mein Mann verschwand in den Gentlemen’s Spa, und ich beobachtete die Gäste um mich herum. Es schienen hauptsächlich Paare aus der ganzen Schweiz zu sein, die sich, frisch verliebt (oder vielleicht auch schon länger), einen Sweet Escape gönnten. Dieses Super-Deal-Package des Dolder Grand wurde als Folge der Corona-bedingten grossen Reise-Veränderungen ins Leben gerufen und wird übrigens bis zum 31. Dezember 2021 exklusiv angeboten.

Bestens erholt und entsprechend gut gelaunt trafen wir am Abend dann in der Bar ein. Endlich! Die Bar! Mein Schatz schwebte im siebten Bar-Himmel und liess sich genüsslich in einen bequemen Sessel nieder. Dank dem neuen Standort der Bar – sie wurde in der ersten Phase der Coronavirus-Pandemie im Frühling 2020 an die Stelle der damaligen Hotelreception neben der Lobby transferiert – kommt man in den vollen Genuss von exklusivster Kunst. Schon fast überdimensional hängt Andy Warhols elf Meter langes «Big Retrospective Painting» über der Bar. Nun wurde mir auch klar, warum mein Mann unbedingt in die Bar wollte.  Nachdem mein kunstbegeisterter Liebster seine Laudatio über die vielen Künstler und auch seinen Aperitif geniesserisch beendet hatte, begaben wir uns ins All Day Dining Restaurant Saltz, das dieses Jahr sein 5-jähriges Bestehen feiert. Auch hier wieder begleitet von vielseitiger, exquisiter Kunst, feinem Essen und sehr freundlichen Mitarbeitenden.

Exklusive Kunst

Nach einem tiefen und wunderbaren Schlaf verliess mich mein Mann, was mich jedoch nicht allzu traurig stimmte. Denn ich hatte selber einige Dates, unter anderem mit Silvester Stalone, Mel Ramos, Fernando Botero, Keith Haring und zu meiner Freude auch mit ein paar Frauen, nämlich mit Niki de Saint Phalle und der heimischen Künstlerin Martina von Meyenburg. Ich bezog an der Récéption den Kunst-iPad und begab mich mit Hilfe des Tablets auf den Kunst-Path durchs Hotel. Über 100 Kunstwerke sind im Dolder Grand, im Restaurant, der Lobby und in den Gängen zu finden. Ein wahrer Kunstgenuss und für alle Gäste zugänglich!

Meine, wer mich kennt meist etwas (und meistens zurecht) hohen Erwartungen wurden mehr als erfüllt: The Dolder Grand und seine herzlichen Mitarbeitende heissen wirklich jeden Gast willkommen. Egal ob Hollywoodstar, namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, oder Normalos wie Du und ich. Alle werden sie gleich herzlich bedient und verwöhnt. Sobald man eintritt, spürt man die jahrhundertalte Geschichte des Traditionshauses. Man lehnt sich zurück und hört die Luxus-Ikone erzählen, wen sie alles beherbergte, wie sie die Kriege erlebte, wer hier Schutz suchte und wer sich auch im umliegenden Naherholungsgebiet literarisch inspirieren liess. Die altehrwürdige Dame im modernen Kleid am Zürichberg hat viel zu erzählen. Ich empfehle jedem Gast genau hinzuhören. Ob man übernachtet, kulinarisch im «The Restaurant» oder sich im edlen Spa verwöhnen lässt. Es lohnt sich! Auch falls man nur die Bar sucht, und auch dort das Hier und Jetzt, das Sein findet. Das Dolder Grand zieht alle in seinen Bann.

Dolder Grand

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