© Maurice Haas

Mike Müller

 

Mike Müller ist ein grosser Mann in allen Belangen. Er verfügt nicht nur über eine grosse Körperlichkeit, sondern ist auch unglaublich gross mit Worten, die er mit Leichtigkeit zusammenfügt zu witzigen Formulierungen, Metaphern, Pointen, Anekdoten und grossen Geschichten. Manchmal real, manchmal Fiktion, so dass man gar nicht mehr das Gefühl hat, man befinde sich in einem Interview, sondern in einem seiner Theaterstücke, in einer Nebenrolle zwar, aber mitten in einer Handlung und Mike führt Regie. Das ist zwar wahnsinnig unterhaltsam, kann aber mitunter dazu führen, dass man dabei die Zeit vergisst und leider auch den Zweck des Interviews.

Einer derartigen Eloquenz muss eine hohe Intelligenz zugrunde liegen und die hört man förmlich knistern, wenn Mike ausholt zu einer seiner Gedanken- und Wortreisen. Dank eines abgeschlossenen Philosophie-Studiums – nach knapp 14 Jahren – verfügt Mike über ein breitgefächertes Wissen. Und auch wenn ihm dieses vielleicht manchmal nur zur Hälfte zur Verfügung steht, kommt am Schluss doch immer eine ganze Geschichte heraus und man will gar nicht wissen, wieviele Anteile davon real sind. Sein Humor ist ein bisschen fies aber präzis, und mit seinen Parodien, wie die jüngste auf dem youtube-Kanal «Mike Müller lateandearly» vom Bauer Wermelinger, der uns unsere 1.-Welt-Probleme anhand von bäurischen Analogien unter die Nase reibt, trifft er mitten ins Schwarze unserer urschweizerischen Viehhändler-Seelen.

Die grösste Bekanntheit erlangte Mike durch die Darstellung des Bestatters Luc in der TV-Serie «Der Bestatter» und durch die Sonntag-Abend-Show «Giacobbo/Müller» mit Viktor Giacobbo. Auf die Frage, weshalb er bei «Giacobbo/Müller» immer den Kaffee bringen musste, antwortet Mike: Weil Viktor es nicht konnte und dabei auch noch dachte, das Publikum merke es nicht. Dabei wollte ihm einmal eine fremde Frau am Bahnhof unbedingt einen Kaffee offerieren, weil sie schon gemerkt habe, dass er in der Sendung nur eine leere Tasse bekommen habe.

Bei Mike sind die Tassen immer voll. Er ist seit mehr als 30 Jahren sowohl auf der Bühne als auch im Film beheimatet. Die meisten seiner Stücke hat er selber geschrieben. Dafür hat er 6 Preise gewonnen, darunter den Prix Walo, den Schweizer Fernsehpreis und den Swiss Comedy Award. Nach seinem Bühnenerfolg «Heute, Gemeindeversammlung», der Corona-bedingt ein frühes Ende fand, steht er nun mit seinem neusten Solostück «Erbsache: Heinzer gegen Heinzer und Heinzer» am Start.

In seinen Solostücken tut Mike, was er am besten kann: er ist viele (Zitat «Der Landbote»). Denn Mike spielt sämtliche Rollen selber und zwar ohne Kostümwechsel. Oft auch ohne Dialektwechsel. Die verschiedenen Identitäten seien nur durch einen Wechsel der psychischen Energien erkennbar. Das kann mitunter auch einem Mike einiges abverlangen, wenn er zum Beispiel einen jungen Rekruten spielen muss, wie im Stück «Truppenbesuch», der seine Meinung und seine Gefühle in lediglich vier widersprüchlichen Worten ausdrückt.

Von seiner Privatsphäre gibt Mike nicht viel preis. Er mag es eher ruhig und liest gerne, er treibt viel Sport, vor allem auf dem Velo und im Wasser. Er ist derjenige, der zu Hause kocht und er trinkt gerne Bier und Wein, ist aber mit 3 trockenen Monaten im Jahr recht diszipliniert. Er hatte mal einen Hund, mit dem er sogar eine Bühnenshow veranstaltet hat, doch haben sich ihre Wege getrennt – aus Rudelgründen. Fertig.

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